Sonntag, 18. Mai 2014

In wenigen Tagen ist es soweit: Slam meets Menschenrechte

Die Lokalgruppe von Amnesty International gibt am 22. Mai 2014 im KUGL, St. Gallen, um 20 h  elf SlampoetInnen die Wettkampfarena, Menschenrechte, Todesstrafe, Folter, Rassismus und Diskriminierung zum Thema zu machen. Menschenrechtsarbeit, wie sie Amnesty International seit 1961 leistet, ist im Unterschied zu einer Slamveranstaltung keine Eventkultur, braucht aber wie diese Publikum und öffentliche Unterstützung.

In maximal sechs Minuten werden die Slampoetinnen und –poeten in kurzweiligen, bitterbösen und kritischen Texten Unrechtsregierungen und Folterer verbal in die Täterecken stellen und ihnen die Kappe waschen. Um die Redefreiheit und die Krone kämpfen der Schweizermeister 2012 Renato Kaiser aus Goldach, die junge Elia Schmitter aus Flawil, Nina Horbaty aus Bern und Lillemor Kausch aus Konstanz, die Schriftstellerin Anne Bergmann aus Chemnitz, der Veranstalter der Ostschweizer U20 Slams Pierre Lippuner aus Wittenbach, der Kabarettist und Seriensieger Simon Chen aus Zürich, der Schauspieler und Shootingstar der Schweizer Poetry Slamszene Romeo Meyer aus St. Gallen, Jennifer Niedermann aus Gossau, Markus Koschuh aus Innsbruck und last but certainly not least der grossartige und erfolgreiche Slampoet Björn Dunne aus Hamburg. Der Redefreiheit sind keine Grenzen gesetzt, was auch die beiden Moderatoren des Events, Richi Küttel und Etrit Hasler, weidlich ausnützen werden. Dies ganz im Gegensatz zu vielen Ländern auf dieser Welt, in denen die Meinungsäusserungsfreiheit nicht selbstverständlich ist und wofür sich Amnesty International einsetzt. Diktatoren wie den Nordkoreas als Einfaltspinsel zu bezeichnen, Präsidenten wie den von Russland als Kriegsgurgel, Folter als Verbrechen und die Todesstrafe als älteste Dummheit der Menschheit zu geisseln – das ist im Poetry Slam erwünscht, in über 60 Ländern der Welt das öffentlich zu äussern aber ein Hochrisiko für die Menschen auf der Strasse und für Künstler.

Amnesty International hat eine Vision: eine Welt, in der die Menschenrechte für alle Gültigkeit haben, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Geschlecht, ihrem gesellschaftlichen Status. Die Organisation AI ist von Regierungen, politischen Parteien, Religionen und Wirtschaftsinteressen unabhängig, aber in der Schweiz und anderswo auf Sympathisanten und Gönnerinnen angewiesen. Der Poetry Slam vom 22. Mai 2014 im KUGL soll ein friedlicher Aufschrei gegen eskalierende Ungerechtigkeiten in Krisengebieten wie Syrien oder in der Ukraine sein, eine künstlerische Form gegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Renato Kaiser, einer der Slammer vom 22. Mai, sagte über einen seiner Auftritte: “Ich gehe nie davon aus, dass Kinder etwas von mir lernen, aber in diesem Fall hoffe ich es.“ Lernen, dass hunderttausende Flüchtlinge in Syrien um Schutz flehen, Kinder in Mali als Soldaten rekrutiert werden und Sri Lanka für Tamilen weiterhin kein Paradies ist. Knallen oder eben slammen für die Menschenrechte – eine bessere Welt ist möglich – Rede, Freiheit!

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